18. Juni 2022
Uwe Schmidt, Pfarrer zu einem aktuellen Thema:

Verschieden evangelisch sein


Sie steht noch immer vor dem Eingang vieler evangelischer Kirchen im Saarland. Gemeint ist die blaue Luther-Büste, die seit dem Reformationsjubiläum im Jahr 2017 die Eingangsbereiche vieler Kirchen im Saarland ziert. Die ursprünglich knallblaue Farbe hatte vor fünf Jahren einige Reaktionen ausgelöst: Wie sieht der Luther denn aus? Warum eigentlich blau?
Ich erinnere mich, dass die Evangelischen in manchen Gegenden als die „Bloköpp“ (die Blauköpfe) bezeichnet werden. Auf jeden Fall wirkt der knallblaue Luther vor vielen evangelischen Kirchen im Saarland immer noch als Blickfang.
Die „Popart-Art“ mäßig gestaltete Lutherbüste ist Zeichen für das Bunte und den Pep der evangelischen Kirche! Evangelisch sein bedeutet kein graues Einerlei, sondern hat Farbe!
Übrigens: Evangelisch ist nicht gleich evangelisch! Bei mir hat es eine ganze Weile gedauert bis ich das festgestellt habe. Als ich während meines Studiums zum ersten Mal in München einen evangelischen Gottesdienst besuchte, stellte sich mir die Frage: Bin ich etwa in einer katholischen Kirche gelandet? Der Pfarrer trug über seinem Talar eine bunte Stola. Außerdem sang er die gesamte Liturgie und kniete zum Abendmahl nieder. Das war mir schlicht fremd und mutete mich katholisch an.

Evangelisch ist eben nicht gleich evangelisch. Das verdanken wir dem Reformationsjahrhundert! Denn neben Martin Luther und dem lutherischen Zweig hat die Reformation noch andere evangelische Richtungen hervorgebracht. In der Schweiz, wo die Reformatoren Ulrich Zwingli in Zürich und Johannes Calvin in Genf wirkten, ist der reformierte Zweig der evangelischen Kirche erwachsen. Calvin hat schließlich auch den Protestantismus in Frankreich geprägt. Dort wird häufig von den Hugenotten gesprochen.

Aber gleich welche Bezeichnung gebraucht wird, ob evangelisch, reformiert, lutherisch, uniert oder protestantisch, wichtig ist allen reformatorischen Kirchen das Wort Gottes. „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht“ heißt es in einem Lied.
Möge Gottes Wort uns in allen Lebenssituationen Hoffnung und Trost sein und uns durch die neue Woche leiten!


Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Synodalassessor im Kirchenkreis Saar-Ost sowie Synodalbeauftragter für das Christlich-Islamische Gespräch
Uwe Schmidt, Pfarrer
Sebachstraße 5
66539 Neunkirchen-Furpach
Telefon: 06821/ 17 74 92
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