06. Dezember 2019

100.000 Euro für ein Rettungsschiff und Kollekten gegen Not in Flüchtlingslagern


Die Evangelische Kirche im Rheinland gibt 100.000 Euro an „United4Rescue – Gemeinsam retten“. Das Aktionsbündnis, dem sich die Kirchenleitung angeschlossen hat, will ein Schiff zur Seenotrettung im Mittelmeer bereitstellen.

Gleichzeitig ruft Präses Manfred Rekowski die 687 rheinischen Kirchengemeinden zwischen Niederrhein und Saarland zu einer Sonderkollekte auf, die insbesondere in Griechenland gestrandeten Bootsflüchtlingen helfen soll.

„An dieses tausendfache Sterben wollen wir uns nicht gewöhnen“

„Mehr als 19.000 Menschen sind seit 2014 im Mittelmeer ertrunken. Immer wieder schrecken uns Nachrichten auf, die von neuen Toten berichten. An dieses tausendfache Sterben wollen wir uns nicht gewöhnen“, schreibt Präses Rekowski in einem Brief an die Gemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland. Seit Jahren setze sich die rheinische Kirche gegen das Sterben im Mittelmeer und für die zivile Seenotrettung ein. „Angesichts der humanitären Katastrophe und des fortdauernden politischen Stillstands auf europäischer Ebene reichen Appelle allein nicht länger aus“, so der Präses. Gemeinsam mit vielen anderen hat die Evangelische Kirche im Rheinland wiederholt deutlich gemacht, dass es dringender denn je Seenotrettung und einen europäischen Verteilmechanismus für Bootsflüchtlinge braucht.

Unterstützung durch die Landessynode schon im Januar 2019

 Schon im Januar 2019 hat die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland auf Vorschlag der Jugendsynode beschlossen, die Bereitstellung eines neuen Seenotrettungsschiffes zu ermöglichen. Zwischenzeitlich hat der Rat der EKD einen Impuls des Deutschen Evangelischen Kirchentages aufgegriffen und nun zu einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis „United4Rescue – Gemeinsam retten“ aufgerufen, das die zivile Seenotrettung mit einem neuem Rettungsschiff sowie die Seenotrettung insgesamt unterstützt. Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat Mitte November dieses Vorhaben aufgegriffen und empfiehlt allen Kirchengemeinden, dieses Aktionsbündnis zu unterstützen. „Dies greife ich gerne auf und ermutige Sie, sich diesem Aktionsbündnis anzuschließen“, appelliert Manfred Rekowski an die Kirchengemeinden: „Ich weiß sehr wohl: Ein einzelnes Rettungsschiff löst die Gesamtproblematik von Flucht und Migration nicht. Doch es ist ein eindeutiges Signal dafür, dass unsere Gesellschaft die Werte der Humanität nicht aufgibt. Und es rettet Menschenleben.“ Deshalb habe die rheinische Kirchenleitung  ihrerseits beschlossen, in Umsetzung des Beschlusses „Zur Flüchtlingsproblematik an den EU-Außengrenzen“ vom Januar 2019 100.000 Euro zur Bereitstellung eines Seenotrettungsschiffes zur Verfügung zu stellen.

 Hilfe für Flüchtlinge in den griechischen Lagern

 Die Klingelbeutelkollekte, um deren Sammlung Präses Rekowski die Gemeinden in den kommenden Wochen bittet, sollen zum einen in das Aktionsbündnis „United4Rescue – Gemeinsam retten“ fließen und zum andern aber auch Bootsflüchtlinge unterstützen, die insbesondere in Griechenland gestrandet sind und dort unter verheerenden Bedingungen ausharren müssen. „Insbesondere in den Lagern auf den griechischen Inseln, aber auch auf dem Festland, spitzt sich die humanitäre Lage seit Wochen zunehmend zu“, berichtet Rekowski. Die Kollekte wird zur einen Hälfte dem Aktionsbündnis „United4Rescue – Gemeinsam retten“ zufließen, mit der anderen Hälfte sollen in Griechenland folgende Projekte unterstützt werden:

  • Die Oekumenische Werkstatt für Flüchtlinge NAOMI. Sie leistet in Thessaloniki Nothilfen für besondere Schutzbedürftige, wo staatliche Fürsorge versagt: kurzfristige Unterkünfte bei Obdachlosigkeit, medizinische Versorgung und Medikamente, Therapie für Behinderte und Traumatisierte und Auslagen für das tägliche Überleben.
  • Die Flüchtlingsarbeit der Griechisch Evangelischen Kirche, insbesondere der Kirchengemeinde in Katerini.
  • Die deutsch-griechische Menschenrechtsorganisation Equal Rights Beyond Borders. Sie unterstützt Schutzsuchende auf den Inseln in der griechischen Ägäis und auf dem griechischen Festland. Alle Zuwendungen kommen konsequent der Stärkung von Rechten Schutzsuchender zugute. Besonderer Schwerpunkt ist dabei die rechtliche Beratung in Familienzusammenführungsfällen.
  • Die Organisation Refugee Support Aegean. Gemeinsam mit ProAsyl deckt sie Missstände auf, unterstützt durch Nothilfe und leistet Rechtsberatung für Geflüchtete.




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