14. Oktober 2019

Yasemin, der „Kinder-Magnet“


Yasemin Danisman kam mit fünf Jahren ins Kinderhaus der Diakonie Saar in Brebach. Heute ist sie dort als ehrenamtliche Tanztrainerin tätig.Mit ihrer eigenen Tanzgruppe begeistert sie nun Kinder aus sozial benachteiligten Familien im Stadtteil.

Gekommen, um zu bleiben: Acht Jahre lang war das Kinderhaus der Diakonie Saar in Saarbrücken-Brebach das zweite Zuhause von Yasemin Danismann. Einfach so „ihr“ Kinderhaus hinter sich lassen, das wollte die 15 Jahre alte Schülerin nicht und blieb als Ehrenamtliche. 

Yasemin Danisman kann sich durchsetzen. Mit fünf Jahren beschloss sie: Ich gehe ab jetzt zur Freizeitbetreuung ins Kinderhaus. Dabei war sie eigentlich noch zu jung. Kinder zwischen sechs und 13 Jahren können dreimal die Woche zum offenen Treff kommen. Doch Yasemin drängelte so lange, bis die Mitarbeitenden für sie eine Ausnahme machten. Bis heute kommt Yasemin regelmäßig – mittlerweile als ehrenamtliche Tanztrainerin.

„Ich habe es geliebt, nach der Schule im Kinderhaus bis 18 Uhr zu spielen, an Projekten teilzunehmen und neue Freunde zu finden“, erzählt die 15-Jährige. Die Schülerin hat einige Jahre lang die Latin-Tanz-Gruppe besucht und im Kinderhaus-Chor mitgesungen.

Zumba und Hiphop für Kinder

Als Yasemin Danismann 13 Jahre alt wurde, war sie dann eigentlich zu alt für den Besuch des Kinderhauses. Doch wieder fand sie einen Weg, um zu bleiben und wurde ehrenamtliche Tanztrainerin. „Ich liebe Kinder über alles und möchte mit ihnen zusammen Spaß haben“ sagt Yasemin, „außerdem ist es schön, immer noch hier im Kinderhaus zu sein.“

Seit drei Monaten bietet sie einmal wöchentlich eine Tanzgruppe an. „Ich habe drei Jahre Zumba gelernt und zwei Jahre Hiphop. Dann dachte ich, jetzt kann ich es und wollte es gerne anderen beibringen.“

Am Anfang konnten sich alle Kinder im offenen Angebot beim Tanzen ausprobieren. Dann bildete sich eine feste Gruppe von acht Kindern. „Einige kannten mich schon und hatten Lust, einen Kurs speziell bei mir zu machen, weil ich Zumba und Hiphop tanzen kann“, sagt die junge Brebacherin stolz.

„Das sieht ja aus wie im Fernsehen“

Auch ihre Eltern sind stolz auf das Engagement ihrer Tochter. Sie schauten zu, als ihre Tanzgruppe bei der offiziellen Feier zum 10-jährigen Kinderhausjubiläum auftrat. Die Zuschauer waren begeistert: „Das sieht ja aus wie im Fernsehen“, sagte Conny Loch vom Verein „Zusammen Leben Brebach“.

Die Mitarbeiten im Kinderhaus wollen Vertrauen aufbauen und die Familien im Viertel unterstützen. In Brebach wohnen viele Menschen mit Migrationshintergrund und sozial benachteiligte Familien. „Für viele Kinder ist das Kinderhaus wie eine Familie neben der Familie“, sagte Bezirksbürgermeister Daniel Bollig anlässlich der Jubiläumsfeier. Im Kinderhaus können die Kinder auch essen und werden bei ihren Hausaufgaben betreut.

Die Schüler fühlten sich geborgen und ernst genommen. „Häufig kommen sie zuerst zu uns ins Kinderhaus“, erklärt Katrin Walla, Mitarbeiterin der Diakonie Saar im Kinderhaus. Als junge Botschafter tragen sie die Angebote in ihre Familien hinein und machen ihre Eltern und Geschwister auf die Angebote der Diakonie im Stadtteil aufmerksam.  „Das erleben wir  jetzt auch bei der Tanzgruppe von Yasemin. Sie ist ein echter Magnet für die Kinder. Und das spricht sich rum, sie macht andere Kinder und Familien auf das Kinderhaus aufmerksam.“

Im Kinderhaus profitieren die jungen Besucher vom guten Netzwerk: Die Einrichtung arbeitet eng mit der Gemeinwesenarbeit im BügerInnenZentrums zusammen.

Spaß an Bewegung

Berfin, Marie, Tuana, Elvan, Yezda, Dilan, Elin und Seyhan, alle zwischen neun und 12 Jahren, haben Spaß an der Bewegung. Mittwochs nachmittags üben sie im BürgerInnenZentrum. „Dort ist mehr Platz als in den kleinen Räumen im Kinderhaus und wir haben unsere Ruhe – bei lauter Musik“, schmunzelt Yasemin.

Die Gruppe versteht sich gut mit ihrer Trainerin. „Die Älteren kenne ich noch aus meiner Zeit, als ich selbst ‚Kinderhaus-Kind‘ war“, sagt Yasemin. Der Kurs mit den jüngeren Kindern macht ihr so viel Spaß, dass sie nach ihrem Schulabschluss gerne im sozialen Bereich arbeiten möchte.

„Tanzen mache ich auch gerne, aber zurzeit möchte ich Erzieherin oder Sozialpädagogin werden. Aber vielleicht ändert sich das auch noch mal. Man weiß nie.“ Will sie gleichaltrige Freunde treffen, besucht sie jetzt den Jugendclub im evangelischen Gemeindezentrum, mit dem das Kinderhaus in enger Verbindung steht.

 





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