16. April 2019

Fachtagung der Diakoniestiftung Saar zur Sozialpsychiatrie: „Mehr Fachkräfte, mit ausreichend Zeit nötig“


Mit dem Thema „Lebens- und Tagesgestaltungsmöglichkeiten von wohnungslosen Menschen und Menschen mit psychischen Behinderungen“ beschäftigte sich die Fachtagung „Upgrade Sozialpsychiatrie?!“ der Diakoniestiftung an der Saar.

Dazu waren über 150 Fachkräfte aus sozialpsychiatrischen Einrichtungen des Saarlandes und der Pfalz in die Handwerkskammer nach Saarbrücken gekommen.


„Seewolfstudie“ 

Sehr eindrucksvoll belegte eine differenzierte wissenschaftliche Studie („Seewolfstudie“), die Prof. Dr. med. Josef Bäuml aus München vorstellte, die Belastungen und Problemstellungen wohnungsloser Menschen im Zusammenhang mit der Erschließung persönlichen Wohnraums. Er wies auf bestehende Risikofaktoren, etwa Erkrankungen, Teilhabeeinschränkungen oder Qualifikationsdefizite  der Betroffenen hin. Bäuml forderte zeitlich und personell ausreichende Unterstützungsmöglichkeiten, gerade im ambulant betreuenden und klinischen Bereich.

 

Prof. Dr. Klaus Gérard Nouvertné stellte seine Erfahrungen in den Großstadtregionen Köln und Frankfurt bei der Schaffung von ambulanten und stationären Betreuungsangeboten für psychisch kranke und wohnungslose Menschen vor. Er wies darauf hin, wie wichtig es ist, das Umfeld einzubeziehen und die Betroffenen  bei der Lösungssuche für bestehende Problemlagen zu beteiligen.  Dazu seien auch gemeinsame Vereinbarungen hilfreich.


Möglichkeiten des Bundesteilhabegesetzes

Simon Odenwald von der Curacon GmbH, Ratingen informierte umfassend über sozialrechtliche Zusammenhänge, insbesondere des Bundesteilhabegesetzes und deren Möglichkeiten zur Erschließung von Tagesstrukturierungs- und Betreuungsangeboten.

 

Andrea Spanuth von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe referierte über ambulante Betreuungsmöglichkeiten für Menschen mit Suchterkrankungen, Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Sie wies auf die Möglichkeiten, Belastungen und Organisationserfordernisse bei stundenbezogenen Betreuungskonzepten hin.

 

Die Pflegedirektorin des Alexianer St. Hedwig-Krankenhauses in Berlin, Ina Jarchov-Jadi, präsentierte klinische Behandlungs- und Betreuungskonzepte mit Stadtteil- und Quartiersbezug. Erläutert wurde von ihr das dem zugrunde legende Entwicklungs- und Umsetzungskonzept, das die Mitwirkung von Patienten und deren Angehörigen am Behandlungsprozess als elementaren Bestandteil vorsieht.


Möglichkeiten des Sozialraums nutzen

Bezahlbarer und individuell nutzbarer Wohnungen ist für wohnungslose Menschen und Menschen mit Behinderungen derzeit nur schwer zu bekommen. Alle Referentinnen und Referenten betonten, dass es deshalb wichtig sei, die bestehenden und entwickelbaren Möglichkeiten des Sozialraums zu sehen und zu erschließen, was den Betroffenen allein ohne Hilfe nicht möglich sei. Fachkräfte mit ausreichenden Zeitbudgets seien deshalb nötig, die zudem Betroffene bei der Tagesstrukturierung oder der persönlichen Lebensgestaltung unterstützen könnten.

Im Anschluss an die Vorträge ergaben sich zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch und zur Reflektion. Eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe ist 2020 vorgesehen.





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