19. August 2019
Daniela Börger zu einem aktuellen Thema:

Die alttestametliche Dreieinigkeit?


Ich war vor kurzem in Russland, dort erlebte ich eine deutsch­sprachige Führung durch ein russisch-orthodoxes Kloster und die dazugehörige Kirche. Die russische Dame, die uns alles zeigte, sagte im Nebensatz: „Das ist die Ikone von den drei Erzengeln, die alttestamentliche Dreieinigkeit.“

Dann sprach sie ziemlich schnell weiter und erzählte etwas über andere Ikonen.

Währenddessen bin ich jedoch sehr über den Satz gestolpert. „Die alttestamentliche Dreieinigkeit???“ Was könnte das denn sein? Gott ist drei in einem. Das ist eine schwierige Behauptung, die wir Christ*innen da aufstel­len. Gott ist einer, aber er ist auch drei, nämlich Vater, Sohn und Heiliger Geist. In christlicher Vorstellung ist der Sohn Jesus Christus. Aber Jesus Christus kommt im Alten Testament (bzw. Ersten Testament) nicht vor.

Manche christliche Haltung meint, ihn dort finden zu können. Ganz sicher gibt es im Ersten Testament Hinweise auf einen Messias, einen kommenden Erlöser. Es ist aber eine – wie ich finde – unzulässige Vereinnahmung der Heiligen Schrift des Judentums, wenn wir alle diese Hinweise direkt und unmittelbar auf Jesus beziehen. Darum war ich irritiert und ein kleines bisschen schockiert, als ich diese Bezeichnung „altestamentliche Dreiheit Gottes“ so plötzlich hörte.

Auf „Orthpedia – die freie orthodoxe Enzyklopädie“ wird die orthodoxe Vorstellung von der Dreieinigkeit erläutert: „Gott [ist] einer, da der Vater einer ist. Dies bedeutet nicht, dass der Vater wichtiger ist als die anderen beiden Persönlichkeiten der Dreiheit. Ebenso bedeutet es nicht, dass der Sohn und der Heilige Geist jünger sind als der Vater. Die Dreiheit ist in ihrem Wesen außerhalb von Raum und Zeit. Sie sind es, die diese zwei Begriffe erschufen. Alle Persönlichkeiten leben in der Ewigkeit und sind somit zeitlich nicht defi­nierbar.“

Mit dieser zeitlichen und räumlichen Undefinierbarkeit kann ich auch die alttestamentliche Dreiheit akzeptieren. Dann finde ich es auch spannend, wie die alttestamentliche Geschichte vom Besuch bei Abraham in der Ikonen-Darstellung gedeutet wird:

„Auf einigen Ikonen ist die Heilige Dreiheit in Form von drei Engeln dargestellt. Eine solche Darstellung gründet in der biblischen Erzählung, die berichtet, wie Gott dem Stammvater Abraham in der Gestalt von drei Wanderern erschienen ist. (1. Mose 18) […]

Die Heilige Dreiheit wird in der Gestalt von drei Engeln (Boten) dargestellt, die unter einem Baum sitzen. Auf dem Tisch vor ihnen liegen die Speisen, die ihnen Abraham anbot, der daneben steht. Sara befindet sich entweder hier, zusammen mit Abraham, oder sie steht vor der Heiligen Dreifaltigkeit oder im Zelt. Die Ikone, die der ehrwürdige Andrej Rublev gemalt hat, stellt nur die drei Engel dar. Solche Ikonen tragen den Namen “Alttestamentliche Drei­heit”. (Quelle: Orthpedia – die freie orthodoxe Enzyklopädie


Daniela Börger Pfarrerin im Kirchenkreis Saar-Ost
Synodalbeauftragte für den Deutschen Evangelischen Kirchentag im Kirchenkreis Saar-Ost
Pfarrerin Daniela Börger

 

 


Telefon: 06825 9703404




Zurück