20. April 2019
Christian Weyer zu einem aktuellen Thema:

Das Kreuz leuchtet hell


Am Tag nach dem Brand der Kathedrale Notre Dame in Paris war ein Foto aus dem Innenraum der schwer beschädigten Kathedrale zu sehen: Darauf ist ein Altar zu sehen, der von einem goldenen Kreuz gekrönt ist. Dieses Kreuz strahlt hell über Schutt und Asche. Ein symbolisches Bild.

Innerhalb weniger Stunden war der gesamte Dachstuhl ein Raub der Flammen geworden. Er brach in sich zusammen. Trümmerteile und Schutt und Asche stürzten durch das Kirchendach in die Kirchenschiffe. Rund um die Welt hielten Millionen von Menschen den Atem an. In Paris standen Einheimische und Touristen Seite an Seite und weinten und beteten. Am Tag darauf die gute Nachricht: Der Dachstuhl ist zwar völlig zerstört, aber das Kirchengebäude an sich konnte bewahrt bleiben und die Zerstörungen im Innenraum sind weniger schlimm, als befürchtet.

Nun konnte man sich auch in die Kathedrale hineinwagen. Erste Fotos wurden veröffentlicht. Ein Bild hat mich besonders beeindruckt: Zu sehen ist das mittlere Kirchenschiff der Kathedrale, das nur von dem durch die Eingangsportale hereindringenden Tageslicht erleuchtet ist. Düster ist in der Kirche, Rauchschwanden hängen noch in der Luft. Mannshohe Kerzenhalter stehen verbogen neben den Kirchenbänken. In der Mitte ein riesiger Haufen von verkohltem Holz und verbogenen Metallteilen. Und hinter diesem Haufen steht ein Altar, der von einem hohen goldenen Kreuz gekrönt ist. Dieses goldene Kreuz reflektiert das eindringende Tageslicht. Man hat dadurch den Eindruck, dass dieses Kreuz ein eigenes Licht entfaltet. Das Kreuz scheint sich über Schutt und Asche und Rauch zu erheben und strahlt sein Licht aus in dieses düstere Szenario.

Ein symbolisches Bild für das, was wir in der Karwoche und an Ostern im Glauben nachvollziehen: Jesus Christus wurde am Kreuz hingerichtet. Sein Leben, sein Werk, alles scheint damit vernichtet zu sein. Auch sein Anspruch, Gottes Sohn zu sein und Gott selbst zu repräsentieren. Vorbei die Hoffnung auf Vergebung, Befreiung und neues Leben. Ein schwerer Stein wurde vor das Grab Jesu gerollt, das Ende aller Hoffnung.

Aber am dritten Tag nach der Kreuzigung war das Grab leer. Und zunächst Maria, dann drei weitere Männer aus dem Jüngerkreis und spätere viele andere begegneten dem Gekreuzigten und Hingerichteten als dem Auferstanden und Lebendigen. Und sie hörten seine Botschaft: „ich lebe und ihr sollt auch leben.“

An Ostern feiern wir den Triumph des Lebens über den Tod. Das Kreuz leuchtet hell über Schutt und Asche. Auch nach Zerstörung und Tod ist unsere Perspektive das neue Leben bei Gott.


Christian Weyer Superintendent des Kirchenkreises Saar-West
Pfarrer Christian Weyer
Am Ludwigsplatz 5
66117 Saarbrücken
Telefon: 0681 9255233




Zurück